Der Diakonieverein

Seit 1950 hat sich vieles verändert. Das gilt auch für den Diakonieverein in Geisenheim, der im Jahr 2015 seinen 65. Geburtstag feierte. Diakonie heißt Dienst am Nächsten und dieser Dienst ist auch heute noch die tägliche Aufgabe der Schwesternstation in Geisenheim. Heute wie vor 65 Jahren. Dabei reichte die Arbeit der zwei Diakonissen, die vom Mutterhaus, dem Paulinenstift in Wiesbaden kamen und meist zu Fuß Kranke in Rüdesheim und Geisenheim betreuten, bis in das Jahr 1908 zurück. Diakonissen waren unverheiratet und voll ausgebildete Krankenschwestern, die nach Anweisung des Arztes Arzneimittel verabreichten, Kranke pflegten, auch Nachtwache hielten und Sterbenden Trost spendeten.

Schon 1918, zehn Jahre nach dem Beginn der Krankenpflege durch die Diakonissen des Paulinenstiftes, konnte man auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken und musste gleichzeitig darauf hinweisen, dass dringend 300 Mark zur Deckung eines Defizits gebraucht würden.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, in dem die Rüdesheimer Schwester auch Patienten in Geisenheim versorgen musste, wurde diese Zusammenarbeit aufgegeben und ab Juli 1945 konnte in Geisenheim Schwester Emma in ihrem einzigen Zimmer in der Rüdesheimer Straße Patienten betreuen. Sie hatte weder Telefon noch ein Fahrzeug und es gab zu wenig Mittel zur notwendigen Versorgung der Verwundeten, der Amputierten, der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge. Unter welchen Bedingungen die einzige Diakonisse, die Geisenheim versorgte, arbeiten musste, zeigt der Bezugsschein zum Kauf eines Fahrrades bei der Firma Frickhofen, ausgestellt durch den Landrat. Empfänger dieses wertvollen Fortbewegungsmittels war die Geisenheimer Krankenschwester, der dieses Fahrrad jedoch wenige Tage später schon gestohlen wurde. 1950 waren noch längst nicht alle Kriegsgefangenen heimgekehrt und die Integration der Vertriebenen kam nur langsam voran. Es gab noch immer zu viel Arbeit für die Gemeindeschwester, eine Arbeit, die kostenlos verrichtet wurde und nur unzureichend durch Spenden finanziert wurde.

So kam es 1950 zu dem dramatischen Appell der Evangelischen Kirchengemeinde an alle Bürger Geisenheims, sich an der Gründung eines Diakonievereins zu beteiligen. Der monatliche Beitrag von einer Mark wurde von Freiwilligen eingesammelt. Er konnte in Härtefällen noch ermäßigt werden. Mit dem Verein hatte die Krankenpflege in Geisenheim endlich eine Basis, die allerdings in den Folgejahren immer wieder unter Geldmangel litt. Da der Wohnraum damals noch bewirtschaftet war, konnte Schwester Berta erst in das Pfarrhaus einziehen, nachdem eine Flüchtlingsfamilie ausgezogen war.

Bis 1960 versah Schwester Johanna ihren aufopfernden Dienst in Geisenheim und wurde dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Von 1974 bis 2002 leitete Frau Gertrud Erbslöh den Diakonieverein Geisenheim e.V. In der langen Zeit als Vorsitzende verstand sie es u.a., in Zusammenarbeit mit dem Wirken vieler ehrenamtlicher Helfer, Bürger zum Spenden zu bewegen. Sie verschaffte dem Verein so, neben großer fachlicher Anerkennung, auch eine grundsolide finanzielle Basis für die Anschaffung von Fahrzeugen und Hilfsmitteln.

Im Jahr 2002 übernahm Frau Dr. Käte Hoffmann, die ehemalige Leiterin des Kreisgesundheitsamtes des Rheingau- Taunus-Kreises, den Vorsitz. In den 14 Jahren ihrer Amtszeit hat sie maßgeblich und unermüdlich dazu beigetragen, dass der Diakonieverein in den Zeiten des steigenden wirtschaftlichen Wettbewerbs im Bereich der häuslichen Pflege seinen Stand als gemeinnützige Einrichtung mit großem Erfolg halten und ausbauen konnte ohne dabei seine persönliche Note zu verlieren. In der Mitgliederversammlung im April 2016 verabschiedete der Diakonieverein Geisenheim e.V. Frau Dr. Käte Hoffmann, die aus Altersgründen nicht mehr für den Vorstand kandidierte. Mitgliederversammlung, Vorstand und Mitarbeiterinnen bedauerten den Rückzug sehr und bedankten sich ganz herzlich für ihr Wirken und die jahrelange harmonische Zusammenarbeit.

Zum Nachfolger von Frau Dr. Hoffmann und neuen Vorsitzenden wählte die Mitgliederversammlung Herrn Ernst-G. von Einem. Der ehemalige Exportkaufmann ist mit der Materie der Pflege bereits aus ehrenamtlichen Leitungstätigkeiten bei Einrichtungen im Frankfurter Raum vertraut und freut sich auf die neue Aufgabe hier an seinem Wohnort in Geisenheim. Die weiteren Vorstandsmitglieder Pfr. Ralf Janisch, Inge Herold und Dietmar Weber wurden von der Mitgliederversammlung in ihre Ämter wiedergewählt.
Der insgesamt vierköpfige Vorstand führt bis heute ehrenamtlich die Geschäfte des Vereins, in dem fast ausschließlich examinierte Schwestern in Voll- und Teilzeit in der Pflege im gesamten Stadtgebiet beschäftigt sind. Zusätzlich wird von der Station auch hauswirtschaftliche Hilfe angeboten. Eine zweiköpfige Pflegedienstleitung sorgt dabei für einen zu allen Zeiten reibungslosen und geordneten Dienstablauf.

Über 65 Jahre Diakonie in Geisenheim sind über 65 Jahre Dienst an den Bürgern der Lindenstadt.